Happy blowing the trumpet  Happy's Jazz Corner



Nr. 5 in einer Serie über swingende Musik - 25. September 1997

Fusion !

Die Geschichte des Jazz ist reich an Episoden während denen er sich mit anderen Musikarten zu verbinden suchte. Sogar die Wurzeln der Evolution im New Orleans der Jahrhundertwende aus europäischen und afrikanischen Elementen entstammten einer Verschmelzung .
Seither fehlte es nicht an Versuchen, den Jazz mit Volks- oder Kunstmusik zu verbinden. Man denke nur an Cuba, Brasilien oder Barock.
Ja sogar mit Rockmusik fand einst eine Verbrüderung statt, was zur Wortschöpfung "Fusion" in diesem Zusammenhang führte.

Langfristig scheint aber nur ein einziges dieser Experimente zur Bereicherung des Jazz beigetragen zu haben, nämlich die Verbindung brasilianischer Samba und Jazz zu Bossa Nova. Das liegt wohl in der Wesensverwandtschaft des Samba mit dem Jazz. Beide Musikarten haben gleichermassen zu dieser Synthese beigetragen: Die sanfte Melodik des Cool Jazz und die faszinierende Rhythmik des Samba mit seinen auflockernden Akzenten und metrischen Verschiebungen.

Uebrigens auch in der sog. E-Musik gibt es Verbindungen mit Samba, z.B. bei Darius Milhaud (1892-1974) "Le boeuf sur le toît" oder bei Heitor Villas-Lobos (1887-1959) "Bachianas Brasileiras".

Die Sechziger Jahre waren besonders produktiv in dieser Hinsicht. Da wurden Aufnahmen gemacht, die dank ihrer Aussage auch dann noch zum grossen Jazzrepertoire gehören werden, wenn die anderen Fusions - Experimente längst in Vergessenheit geraten sind.


Beispiel für den Ursprung auf der brasilianischen Seite  

  Samba 140 kB
8 bits/11 kHz
mono
uncompressed
"Samba cruzado" Luciano Perrone e seus
ritmistas brasileiros
Musidisc 607.6070.

Beispiel für den Ursprung auf der nordamerikanischen Seite  

  West Coast 88 kB
8 bit/11 kHz
stereo
uncompressed
"Who's Sleepy" Howard Rumsey's
Lighthouse All Stars
Contemporary
OJCCD-386-6
1954


Beispiel für brasilianischen Bossa Nova

  Brazil 288 kB
8 bit/11 kHz
mono
uncompressed
"Batendo a porta" Antonio de Souza, alias
Milton Banana
Odeon
062 421110


Beispiel für nordamerikanischen Bossa Nova

  USA276 kB
8 bits/11 kHz
mono
uncompressed
"Outra Vez" Stan Getz (ts)
LaurindoAlmeida (g)
George Duvivier (b)
Edison Machado (ds)
Luiz Praga (percussion)
Verve
V6-8665
1963




  Filmbeispiel Bossa Nova   156 KB QuickTime, Sorensen compression, 5 kB/sec



Man könnte die Entwicklung des Jazz mit dem Wuchs eines Baumes vergleichen. Der Stamm heisst Mainstream und die Zweige sind die Experimente, die aus dem Stamm herausgewachsen sind und irgendwo einmal aufhören. Zwar tragen die Zweige mit ihren Blättern zur Entwicklung des gesamten Baumes bei, der Wachstumsknoten aber liegt oben am Stamm.

Mit Ausnahme des Free Jazz sind alle neuen Stilrichtungen seit Be-bop und Cool solche Fusionsversuche. Proponenten des neueren und neuesten Jazz geben manchmal die Behauptung zum besten, dass sich die alten Stilrichtungen in der endlosen Wiederholung der gleichen Phrasierungen totlaufen. Einer verstieg sich gar einmal in der Behauptung, er habe nach ungezählten "Cherokee" - Chorusen schon jeden Lauf einmal gehört.
Diese Aussage stellt den einsamen Gipfel der Arroganz dar. Denn wenn man einmal ermittelt, wieviele erlaubte Akkorde über einer einfachen Harmonik wie Cherokee rein rechnerisch möglich sind, wird klar, dass das Potential neuer Improvisationen noch lange nicht erschöpft sein kann.

Die treibende Kraft hinter der Free Jazz Bewegung war der Drang nach Befreiung vom Korsett der althergebrachten Regeln wie Form, Arrangement, sukzessive Soli etc. Dabei vergass man offenbar, dass man "Korsett" auch als "Ordnung" auffassen kann. In dieser Ordnung findet sich auch der nicht elitäre Jazzfreund zurecht. Er kann sich am Arrangement orientieren und die improvisierenden Solisten besser verstehen.

Weltmusik?

Die Summe der Fusionen führt auf gerader Linie in einen Brei, der sich World Music nennt. Alle stilistischen und melodischen Elemente sollen eines Tages darin vereint sein. Schöne neue Welt! Etwa so schön, wie wenn man uns plötzlich die Welt-Küche verschriebe. Dann schmeckt das Einheits-Essen gleich ob man es in Rom, San Francisco oder Unterengstringen geniesst: Einfach gleich - weltweit. Schluss mit den wunderbaren Unterschieden zwischen den Kochkünsten aller Länder. Anstatt Spaghetti bei der Nonna, Angus Steak in Aberdeen, Berner Platte im Emmental oder Bouillabaisse in Marseille stünde uns dann endlich überall der Weltstandard zur Verfügung, so àla Hamburger. Gott bewahre uns vor World Music.

New Jazz Links:

Musical Brazil! http://www.musicalbrazil.com/

Contemporary List Of JAZZ Links http://www.pk.edu.pl/~pmj/jazzlinks/

EUROPE JAZZ NETWORK http://www.ejn.it/index2.htm

Main Big Band Database http://cnct.com/home/mlp/amerdb.html#AMTOP Sweet Swing Jazz On The Web http://pubweb.nwu.edu/~cds653/

Jazz Links http://global-server.glolink.com/WES/jazz.html

Zur Verteidigung der CD

"Eureka!" triumphierten wir vor 15 Jahren, als die Compact Disk aufkam.
Kein Rauschen, Kratzen, Klicken und Knacken mehr. Ueberdies ohne Abnützung!
Lang lebe die CD.
Dann kamen die Puristen auf den Plan. CDs, sagten sie, tönen kalt und rauh und sind daher den LPs unterlegen. Das erinnert an ein ähnliches Argument damals, als der Trichter-an-der-Membrane dem ersten elektromagnetischen "Pick-Up" Platz machen musste.
Wirklich? Anerkennen wir doch eine Entwicklung, wenn sie wirklich einen Fortschritt darstellt. Ich weiss wovon ich spreche, machte ich doch meine ersten Aufnahmen in den mittleren Vierziger Jahren. Das war vor der Zeit der Wirerecorder und lange bevor persönliche Bandrecorder verfügbar waren. Meine erste Aufnahme (Jazz, natürlich) schnitt ich mit einem spindel-geführten Pickup, dessen Stift eine Spur auf eine mit weichem Schellack bedampften Aluminiumscheibe kratzte, die mit 78 UpM drehte. Die Lebensdauer dieser Scheibe war eher beschränkt, obwohl man sie nur mit einer abgewinkelten Spezialnadel abspielen durfte. Das Hintergrunds-Rauschen stellte selbst die Niagarafälle aus zehn Meter Entfernung in den Schatten. Dann kam der Draht des Wire-Recorder. Der war besser und erst noch wiederverwendbar. Leider machte die Torsion des Drahtes jede längere Klaviernote zu einem Gitarrenton.

Als Nächstes kam der Tape Recorder, gefolgt von der Musicassette.
Und heute, am Vorabend der DVD, haben wir die Compact Disk. Mehr noch, wir können diese 12 cm-Scheiben selber "brennen".

Ich mö:chte die Guten Alten Zeiten nicht mehr zurück haben, auch wenn mein Hörvermögen mittlerweilen altersbedingt unter 7000 Hz gefallen ist, wie mein heimgebautes Audiometer traurigerweise zeigt.

Zur Verteidigung der Studioaufnahme

Ebensowenig würde ich eine alte, verkratzte LP kaufen wie eine sogenannte Live - Aufnahme. Warum soll ich mir vom Geräusch klatschenden Publikums, Husten, Geschirrklirren und klingelden Gläsern ein Solo verdecken lassen? Für mein Geld erwarte ich, dass sich Musiker in ein Studio bemühen, wo die Akustik besser ist und die verewigten Töne sich auf die Musik beschränken. Warum soll ich einen Nebenbeimittschnitt während eines Konzerts akzeptieren? Etwa damit zu den Aufnahmekosten noch Eintrittskosten erhoben werden können?
Zum Kuckuck mit der sogenannten Live-Atmosphäre!

Was ist Blues

Die allmächtige Popmusik hat erfolgreich die Bedeutung des Blues neu definiert.
Ursprünglich war Blues einfach ein Lied im Jazzrepertoire, wie z. B. "All The Things You Are" ein Lied ist (oder ein Tune, wenn Sie wollen).
Mit einem wesentlichen Unterschied, natürlich: Der Blues hat 12 anstatt der üblichen 16 Takte. Ausserdem ist er charakterisiert durch das Auftreten gewisser Töne, der blue notes. Mit Ueberlagerung ihrer allgegenwärtigen, auf Drei betonten Rumpel-Rhythmik, hat sich die Popmusik diese Jazzform einverleibt, um sie künftig als Rock-Stil, genannt "Blues" zu deklarieren.

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Erstellt 25-SEP-97/fvo, nachgeführt 10-NOV-03

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